Faltungen

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Faltungen


Das Buch heißt Faltungen, doch ist dieser Begriff wenig selbsterklärend. Unter Faltung versteht die Arbeit einen Unterscheidungsgebrauch, der sich erst nach seiner Verwendung rechtfertigt.

Faltungen sind Unterscheidungen, die das Unterschiedene gleichzeitig als Identisches kennzeichnen. Es soll hier in der Einleitung keine genaue Begriffsbestimmung gegeben werden, und es genügt vielleicht, an dieser Stelle Faltungen mit Paradoxien zu vergleichen. Ähnlich wie Paradoxien führen Faltungen zu einem Stocken im Umgang mit der Welt und erfordern eine Übersetzung, ein Management, eine Zwischenlösung. Nimmt man etwa das klassische Lügner-Paradoxon – den Satz ›ich lüge immer‹ –, so ist schon die Erklärung des paradoxalen Status eine Übersetzung: ›wenn wahr ist, daß ich immer lüge, dann lüge ich auch jetzt, und dann ist falsch, daß ich immer lüge; kurzum, wenn ich immer lüge, lüge ich nicht immer.‹ Als Management oder partielle Lösung ist etwa das Verbot autologischer Sätze vorgeschlagen worden, ohne daß die schiere Möglichkeit des Paradoxons damit erloschen wäre. Während bei Paradoxien eine Unvereinbarkeit vorliegt, zeichnet Faltungen eine ›Übervereinbarkeit‹ aus: zwei Dinge sind absolut gleich, müssen aber im Rahmen einer Übersetzung, eines Managements oder einer Teillösung unterschieden werden. So ist eine fiktionale Erzählung zuallererst ein Geschehensbericht wie die faktuale Zeitungsmeldung auch. Von einem anderen ›Status‹ zu sprechen, auf Kunst zu verweisen oder das Konzept fiktiver Welten ins Feld zu führen sind jeweils Optionen für eine Zähmung der Fiktion, doch sie räumen nicht aus, daß fiktionale Geschehensdarstellungen nun einmal Geschehensdarstellungen sind. (S. 9f.)

Der Begriff ist zurückzuführen auf den mathematischen Begriff der Faltung. Faltungen werden benutzt, um beliebig sprunghafte und knickreiche Funktionen beliebig zu glätten.

(Wikipedia) Faltung (Mathematik)

Die Dissertation interessiert sich für solche Glättungsbemühungen in der Literaturtheorie und macht drei Bereiche aus, in denen solche Glättungen vorgenommen werden: Fiktion, Diegese und Ende.


Beispiel für eine Glättung aus H. W. Alt, Funktionalanalysis, 3. Aufl., S. 97.