Faltungen

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Fiktion


Gängige Fiktionstheorie versteht unter Fiktion eine Ansammlung von Behauptungen, die »keinen Anspruch auf Referenzialisierbarkeit oder auf Erfülltheit« (Gottfried Gabriel) erheben. Fiktion wird gleichgesetzt mit »Unwahrheit«, »Erdichtetheit« oder »Erfundenheit«.

Die Arbeit Faltungen geht von einer anderen Unterscheidung aus. Sie differenziert zwischen

  • Fiktion,
  • Erfundenheit und
  • Darstellung.

Dabei wird unter Fiktion die Schaffung einer abgegrenzten Welt verstanden, die aber durchaus aufschlußreiche Ähnlichkeiten mit der realen haben kann. Nur Erfundenheit meint, daß Nichtzutreffendes präsentiert wird; dies muß aber nicht in fiktionaler Darstellung sein, sondern kann auch allenthalben (in Lügen und Täuschungen) statthaben. Schließlich ist unter Darstellung die Möglichkeit zu verstehen, etwas, was nicht vor Ort ist, vor Ort erlebbar zu machen. (Auf die Nähe zwischen Darstellung und Fiktion hat Walton besonders vehement aufmerksam gemacht.) Zu Darstellungen zählen (darstellerische) Gemälde, (fiktionale) Romane und (faktuale) Zeitungsberichte.

Die Positionen, die rein analytisch vorgehen, sind dagegen zu einfach. Denn besonders wichtig für die Literaturwissenschaft sind die Einflußnahmen fiktionaler Darstellung auf die reale Welt: zu didaktischen oder politischen Zwecken, aus Irrtum und mit sonstigen Intentionen. Die grundsätzliche Möglichkeit, mittels fiktionaler Darstellung auf die die reale Welt beschreibend zu wirken, wird als Korrealitätsprinzip bezeichnet.

In meinem Wikipedia-Beitrag »Fiktion« habe ich verschiedene Theorien skizziert, meine eigene Position natürlich aber zurückgenommen. Der Beitrag enthält einige Hinweise auf kognitionspsychologische Erkenntnisse, auf die ich in der Dissertation nicht sehr eingegangen bin.

Weiterführende Links: Fiktion (ursprünglicher Wikipedia-Beitrag) Korrealitätsprinzip